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2.1. Geschichte

Olympische Spiele (Quelle: Ecyclopädia Britannica u.a.)

Laut einer amerikanischen Universität ist das Bogenschießen, nach Golf, die schwierigste Sportdisziplin der Welt. Unser Sport fordert Geist und Körper und verlangt gleichermaßen Gleichmut, Konzentration, Genauigkeit und Durchsetzungsstärke.
Darüber hinaus ist Bogenschießen die einzige olympische Sportart, bei der sich Behinderte und Nichtbehinderte im sportlichen Wettkampf gemeinsam messen können.

Paris_1900_2te_Olympiade-unbekannter TeilnehmerLondon_1908_National Round -60 Yd - 50 ydIn den Jahren 1900 (Paris), 1904 (Saint Louis), 1908 (London) und 1920 (Antwerpen) war das Bogenschießen eine olympische Disziplin. Nach 1920 wurde es dann wieder herausgenommen, weil es u.a. weder einen internationalen Bogensportverband noch einheitlichen Regeln gab.

Der internationale Bogensportverband, Fédération Internationale de Tir à l'Arc ( FITA ) wurde 1931 auf polnische Initiative in Lvow (Polen) gegründet. Dort fanden im Gründungsjahr auch die ersten Weltmeisterschaften statt, die nun regelmäßig außerhalb der Olympiade im zweijährigen Turnus abgehalten wurden.
Weiterhin bemühte sich die FITA um die Wiederaufnahme des Bogenschießens zu den Olympischen Spielen. Gesuche um die Aufnahme 1948 (London), 1952 (Helsinki) und 1956 (Melbourne, Pferdesport in Stockholm) wurden durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) abgelehnt.
Der Deutsche Schützenbund (DSB) beschloß 1954 das Bogenschießen als ordentliche Disziplin in sein Sportprogramm aufzunehmen und trat 1956 der FITA bei.

Im Zeitraum von 1957 bis 1985 wurden in den zweijährig statfindenden Weltmeisterschaften Doppelrunden mit 36 Pfeilen über 90m, 70m, 50m und 30m bei den Herren und 70m, 60m, 50m und 30m bei den Damen durchgeführt.

Sowohl die Präsidenten der FITA, Oscar Kessels, Belgien (1957-1961) und Inger K. Frith, England (1961-1977), als auch der DSB-Präsident (1957-1971) Dr. Georg von Opel, auch Präsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) und persönliches Mitglied des IOC, waren in ihrer Amtszeit eifrig bemüht, das Bogenschießen wieder als olympische Disziplin zu etablieren.

Oscar Kessels konnte 1960 mitteilen, dass das IOC es dem jeweiligen Organisationskomitee freistellt, das Bogenschiessen in das Rahmenprogramm der Spiele aufzunehmen. So nahe am Ziel taten sich neue Schwierigkeiten auf. 1960 in Rom und 1964 in Tokio fehlte ein nationaler Bogenschützen-Verband, der im Organisationskomitee die Ausrichtung der Bogenwettbewerbe übernahm. 1965 berichtete Mrs. Inger K. Frith, England, Präsidentin der FITA und einzige Frau, die einem internationalen Verband vorstand, dass das IOC endlich ihrem Antrag entsprochen und das Bogenschießen bei den Olympischen Spielen 1972 in München als Disziplin für Männer und Frauen zur Austragung kommt. Seitdem ist Bogenschießen wieder ein fester Bestandteil im Programm der Olympischen Spiele
Überschattet wurden dann diese Spiele durch die tragische Geiselnahme von neun israelischen Sportler.

Im Jahr 1968 wurde die erste Europameisterschaft ausgetragen und seit 1969 finden Weltmeisterschaften im Feldbogenschießen statt.

Der Ablauf der Wettkämpfe wurde ab 1987 verändert, um die Wettkämpfe für den Zuschauer spannender zu gestalten. So besteht eine olympische Runde aus der "Runde der Besten", einer Ausscheidungsrunde und einer Endrunde sowie seit den Olympischen Spielen in Seoul 1988 einer Ausscheidungs- und Endrunde in der Mannschaftswertung.
Bei der Einzelwertung wird von allen Bogenschützen zur gleichen Zeit auf die 70 Meter (76,5 Yards) entfernten Ziele geschossen. Diejenigen, die nach mehreren Vorrunden die höchste Punktzahl erreicht haben, treten dann zum Wettkampf um die Medaillen an.

Seit 1991 gibt es auch die Hallenweltmeisterschaften, die aber nicht von allen Nationen (z.B. Südkorea) besucht werden.

International wird das Bogenschießen durch die 1931 gegründete Fédération Internationale de Tir à l'Arc ( FITA ) betreut, in Deutschland durch den der FITA angeschlossenen Deutschen Schützenbund (DSB; gegründet 1861).

Die Organisationsstruktur des DSB finden Sie hier.
 

Wikipedia zu den Olympischen Sommerspielen
Allgemeine Infos nach olympischen Jahren gelistet.
(
Der englischsprachige Artikel geht mehr ins Detail.)
Englisch: http://en.wikipedia.org/wiki/Archery_at_the_2004_Summer_Olympics
Deutsch: http://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_2004/Bogenschießen
 

Geschichte des Bogensports

Die Erfindung des Rades und das Beherrschen des Feuers waren sicherlich die wichtigsten Errungenschaften der Menschheitsgeschichte. Viel weniger ist man sich heute der historischen Bedeutung von Pfeil und Bogen bewußt. Die Erfindung des Bogens verliert sich im mythischen Nebel der Geschichte: Erfindungsort und -zeit können von der Archäologie nicht exakt bestimmt werden. Ursache hierfür ist die Tatsache, dass sowohl die ersten Bogen als auch Pfeile aus organischen Materialien hergestellt wurden, die die Zeit nicht überdauert haben. Erst mit der Verwendung von Pfeilspitzen aus Knochen und Stein (z.B. Flint, Obsidian) hinterließen unsere Vorfahren eindeutig zu datierende Belege für die Verwendung von Pfeil und Bogen. Trotzdem gibt es Anhaltspunkte dafür, dass der Bogen bereits seit über 20.000 Jahren vom Menschen benutzt Hoehlenmalerei Levante, Spanien, 5. bis 3. Jahrtausend v. Chr.wird und über Tausende von Jahren eine entscheidende Rolle in der Geschichte der Menschheit spielten. Sie waren entscheidend für den Niedergang und Aufstieg ganzer Nationen. Dem Faustkeil als der wohl ältesten Waffe des Menschen folgte der Spiß, der - wegen des immer noch kurzen Abstandes zur Jagdbeute - das Verletzungsrisiko des Jägers nur geringfügig reduzierte. Der Speer als erste Distanzwaffe und die Speerschleuder (Atlatl) ermöglichten eine grössere Entfernung zum Ziel und Effektivität bei der Jagd und nicht zuletzt auch in kriegerischen Auseinandersetzungen. Der Atlatl war die erste aus mehreren Teilen bestehende Distanzwaffe. Doch erst mit dem Bogen wurde es möglich, eine große Anzahl von Projektilen platzsparend mitzuführen und auf grössere Distanz zielgenauer als mit der Speerschleuder zu platzieren. Pfeil und Bogen finden sich in nahezu allen Kulturen, und die Bauweise variiert von Waffen, die kaum mehr waren als ein Zweig mit einer daran befestigten Sehne, bis zu Geräten, die man nur als äußerst raffinierte mechanische Konstruktionen bezeichnen kann.

Der zur Zeit älteste Bogen der Welt wurde vor kurzem in Mannheim-Vogelstang entdeckt, ein Fragment aus Kiefernholz. Sein Alter wird mit 17.600 Jahren angegeben, seine ursprüngliche Länge mit ca. 110 cm. Wenn sich die Annahme bestätigt, dann handelt es sich bei dem Fund um den Nachweis der Verwendung des Bogens im Jungpaläolithikum (jüngere Altsteinzeit). Arbeitsspuren an der Holzoberfläche deuten auf einen Bogen hin: so besitzt eine Seite des Fragments eine geglättete Oberfläche gegenüber einer unveränderten, sowie die Korrektur einer Abweichung an einer Seite; ferner eine Kerbe, in der eine Sehne hätte befestigt werden können. Die Leistung wird auf etwa 25-30 englische Pfund geschätzt mit Reichweiten von bis zu 80 Metern. Publiziert wurde der Fund von dem Autorenteam Gaelle und Wilfried Rosendahl.
Weitere Belege für den Bogengebrauch stellen Pfeile aus dem Stellmoor bei Hamburg dar; hölzerne Pfeile und Vorderschäfte, die aus einer späteiszeitlichen Kultur (9000 v. Chr.) stammen. Die zerbrochenen Schäfte sind ohne Zweifel zum Bogenschießen hergestellt worden, da sie flache, rechteckige Kerben haben, die sich nur für eine Bogensehne eignen, während Wurfspieße eine enge Vertiefung oder Pfanne tragen, in die der Haken einer Speerschleuder - einer simplen Verlängerung des Wurfarms - paßt.
Die ältesten komplett erhaltenen Bögen wurden 1943 in Holmgaard, Dänemark, gefunden. In dem extrem wasserreichen Boden haben sie sich in seit rund 6000 vor Christus erhalten. Diese einfachen Waffen sind aus einem einzigen Stück Holz, hauptsächlich Eibe oder Ulme, hergestellt und gehören damit zu den sogenannten Stabbögen. Außerdem sind die Holmgaard-Bögen mit 150 bis 180 Zentimetern ungefähr so lang wie der mittelalterliche Langbogen. Er hat einen gerundetem Rücken (natürliche Krümmung des Ringes bei kleinem Stammdurchmesser) und weitgehend geraden Bauch. Zusätzlich bleibt die Breite des Wurfarms vom Griff aus über 2/3 bis 3/4 der Wurfarmlänge konstant. Primitive, aber durchaus effektive Bogenform mit wenig Stringfollow. Die Entwicklung des Holmgaard-Bogens setzt langes Probieren sowie Vertrautheit mit dem durch Material und Steinwerkzeug gesetzten Grenzen voraus.

1991 wurde als archäologischer "Jahrhundertfund" auf dem Hauslabjoch in den Ötztaler Alpen die als Ötzi bekannt gewordene Gletschermumie eines ca. 5300 Jahre alten Mannes mit kompletter Ausrüstung entdeckt. Wesentlicher Bestandteil dieser Ausrüstung war ein Langbogen sowie ein mit 14 Pfeilen gefüllter Köcher. Nicht ganz so alt ist der Fund des Eibenholz-Langbogen aus Meare Heath in Somerset, England (ca. 2700 v.Chr.).

Der Bogen in der Geschichte der Welt

Pfeil und Bogen wurden in den verschiedenen Kulturen sehr unterschiedlich bewertet: Den Griechen der Antike sahen sie als Waffe des Feiglinge, der den unmittelbaren Nahkampf fürchtet. Laut Tacitus galt der Bogen den Germanen im Krieg als knabenhaft und tückisch und wurde hauptsächlich als Jagdwaffe eingesetzt. Für den Engländern des Mittelalters galt das Bogenschießen als ehrbarste Freizeitbeschäftigung. Vielen orientalischen und asiatischen Kulturen galt der Bogen als königliche Waffe. So wie die Balearen nach der Schleuder benannt waren, so war 'Ägypter' oder 'Kreter' gleichbedeutend mit 'Bogenschütze'. Die Assyrer führten berittene Bogenschützen ein, und bei den Reitervölkern der Steppe - Skythen, Partern, Hunnen, Sarmaten - war der Kompositbogen die Hauptwaffe und bei den alten Persern musste jeder Junge drei Dinge lernen: Reiten, Bogenschießen und die Wahrheit sagen!

In China lässt sich das Bogenschießen bis in die Shang-Dynastie (1766-1027 v.Chr.) zurückverfolgen. In KoreaBild Grab-Wandgemaelde aus Muyongchong Korea Periode-der-3-Reiche ist die früheste dokumentarisch belegte Benutzung des Bogens auf das Jahr 32 vor Christus (Kokuryo Königreich) datiert. Da der König selbst ein fähiger Bogenschütze war, befahl er allen Regierungsbeamten das Bogenschiessen zu erlernen und zu beherrschen. Wie auch auf dem Wandgemälde eines Grabes in Muyongchong aus der gleichen Zeit (Periode der 3 Reiche) ersichtlich, wurde schon die Bogenjagd zu Pferde ausgeübt - sei es von Rechts- oder Linkshand-Schützen.

In Japan datieren verläßliche Hinweise auf das Bogenschiessen zu Pferd zum Ende der Heian-Periode (794-1194 n. Chr.) Es kann angenommen werden, daß das Bogenschießen zu Pferd (kisa) schon früher betrieben wurde. Allerdings sind Pferde in Japan erst spät bekannt. Der aus China nach Japan eingeführte Konfuzianismus lehrte das Bogenschießen als geeignete Form zur Bildung der vollkommenen Persönlichkeit. Diese Lehre hatte schon im 4. Jahrhundert in den japanischen Adelskreisen begeisterten Anklang gefunden. Zwar brach der Kontakt zwischen JapanBild berittene japanische Bogenschuetzen und China aus politischen Gründen im 9. Jahrhundert für einige Zeit ab, dennoch hielt der Einfluss des chinesischen Denkens über die Weltordnung, über die anzustrebende Harmonie von Himmel, Mensch und Erde auf das japanische Bogenschießen an. Der Shogun Yoritomo setzte alles daran, seine Krieger effizienter auszubilden. Er instruierte Ogasawara Nagakiyo, eine neue Art des Bogenschießens zu Pferd, das Yabusame, zu lehren.
In Südamerika benutzten und benutzen die Ureinwohner den Bogen als Kriegs- und Jagdwaffe, teilweise mit vergifteten Pfeilspitzen.
Die kurzen Stabbögen, mit denen die Indianer der Westküste unbehindert vom Pferderücken aus schiessen konnten, hatten Spannlängen von 55 bis 60 Zentimetern, die der an der Ostküsten ansäßigen Indianer waren dem englischen Langbogen von Größe und Bauweise sehr ähnlich.
Im Altertum und im Mittelalter bildete der Bogen den Hauptbestandteil der asiatischen Heeresbewaffnung. In Europa war der Bogen bis ins 16. Jahrhundert als Kriegswaffe in Gebrauch - insbesondere bei den Normannen und im englischen Heer ( englischer Langbogen, Schlacht bei Crécy 26. August 1346 ) - und wurde erst spät von der Muskete abgelöst. Die Armbrust war nicht nur in Grecy wegen der niedrigen Feuerfrequenz (1/Min.) dem englischen Langbogen (>12/Min.) hoffnungslos unterlegen.
Trotzdem wurde in den deutschen Ländern die Armbrust dem Bogen vorgezogen. Obwohl längere Ladezeiten bei Muskete und Armbrust nötig sind, war die einfachere Handhabung - und damit die Kosten der Ausbildung - der Grund, weshalb der Bogen allmählich verdrängt wurde. In Kriegen des Westens wurde der Bogen noch 1807 von den Polen gegen Napoleon verwendet und im II. Weltkrieg wurden noch ca. 5.000 Soldaten unter anderem von in Norwegen operierenden britischen Kommandoeinheiten mit Pfeil und Bogen gerettet. Auch im Vietnam-Krieg kam der Bogen noch zur Anwendung.

Konstruktion der Bögen

Im Grunde ist ein Bogen eine zweiarmige, von einer Sehne unter Spannung gehaltene Feder. Durch das Zurückziehen der Sehne mit dem aufsitzenden Pfeil, setzt man den Außenbogen (Rücken) zusätzlich unter Zug- und den Innenbogen (Bauch) unter Druckspannung. Ist der Bogen schlecht gearbeitet, kann er dabei brechen, anstatt den Pfeil wirksam zu beschleunigen. Beim Spannen speichert sich die dafür aufgewandte Arbeit in den Bogenarmen als potentielle Energie (Spannenergie); beim Loslassen der Sehne überträgt sie sich als kinetische Energie auf den Pfeil. Mit der Bogenlänge nimmt die Spannlänge zu und damit erhöhen sich Geschwindigkeit und Reichweite des Pfeils.

Bei dem Eibenholz-Langbogen aus Meare Heath unterscheiden sich vor allem Rücken und Bauch ganz erheblich vom mittelalterlichen, mit Werkzeugen aus Metall gefertigten Langbogen: zwar sind beide ungefähr zwei Meter lang, aber der Bogen von Meare Heath hat einen runderen, konvexen Rücken und einen flacheren Bauch. Ungewöhnlich sind die langen und breiten Wurfarme. Der geringe Bearbeitungsgrad ist insbesondere am Bogenrücken zu erkennen: Er hat noch nahezu die natürliche Außenrundung des ursprünglichen Stabes - vermutlich um besonders schwere Pfeile schiessen zu können. Diese Rundung ist allerdings bei einfachen Stabbögen auch sonst von Vorteil; wird der Rücken rund belassen, bleiben die Schichten unterhalb der Rinde weitgehend intakt, und dadurch reduziert sich die Bruchgefahr.

Mit dem Aufkommen von Metallwerkzeugen im zweiten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung wurden neuartige Varianten des Stabbogens möglich. Besonders deutlich zeigen dies die vielen gut erhaltenen Exemplare des mittelalterlichen Langbogens. Die englischen Bogenmacher spalteten die Rohstäbe von größeren und älteren Bäumen ab als ihre Vorläufer in der Jungsteinzeit. Da bei einem dicken Stamm der Umfang weniger stark gekrümmt ist als bei einem Schößling, wurden nun Bögen mit flacheren Rücken möglich, sichtbar anhand der Bögen, die man aus der Mary Rose - dem am 19. Juli 1545 vor Portsmouth gesunkenen Kriegsschiff Heinrichs VIII - geborgen hat Sie haben einen rundlichen Querschnitt mit leicht abgeflachtem Rücken aus Jungholz. mit Zuggewichten bis über 180 Pfund!
Im 19. Jahrhundert konzentrierten sich die Änderungen mehr auf die Dicke des Rohstabs als auf seine Breite. Dadurch entstand der ausgeprägte Hochkant-Querschnitt, der für diese Bögen typisch ist; er ermöglicht einen schnelleren und weiteren Schuß bei geringerem Spanngewicht (das Spanngewicht gibt die zum Zurückziehen der Sehne aufgewendete Spannkraft in Kilogramm an). Doch die ungleichmäßige Kräfteverteilung entlang der schmalen Mittellinie des dicken, stark gerundeten Bauchs macht solche Bögen bruchanfällig.

Seit dem Paläolithikum (Altsteinzeit) nahm der Bogenbau eine andere Entwicklung außerhalb Europas, ohne daß einer Richtung an sich der Vorzug zu geben wäre. Die verschiedenen Bogentypen waren Resultate allmählicher Veränderungsprozesse, die sich über viele Jahrtausende und über ganze vorgeschichtliche Kulturen erstreckt haben. Der englische LangbogenBild Mittelalterliche Langbogenschuetze wird zwar häufig für seine tödliche Kraft gerühmt, doch für einen berittenen Schützen ist er nur mühsam zu handhaben. So wurden verschiedene Konstruktionsvarianten dem jeweiligem Verwendungszweck angepaßt, wie z.B. die kürzeren Reiterbögen der Hunnen, die verschiedene Materialien verwendeten, um äußerst wirkungsvolle Waffen (Kompositbogen) zu schaffen: Ihre Pfeile konnten sogar einen Eisenharnisch durchdringen, obwohl viel kürzer als die Langbögen. und die kompliziertesten Varianten kamen in Asien auf. Hier lag der Schwerpunkt nicht auf die Gestaltung der Arme, sondern auf den der Materialien (deshalb Kompositbogen). Insbesondere benutzten die asiatischen Bogenmacher aus Häuten und Schwimmblasen hergestellte Leime, um die Rücken ihrer Bögen mit Tiersehnen zu verstärken.

Mentale Haltung und Bogenschiessen als Sport

Während man im Abendland den Bogen nur als Schusswaffe ansah, erkannte man in China schon während der Chou-Dynastie (1027-256 v.Chr.), dass dieser Waffe neben der todbringenden Kraft auch die Zartheit eines Musikinstrumentes inne wohnt. Bei Wettbewerben mussten chinesische Adlige nicht nur das Ziel treffen, sondern den Akt der Spannung und Entspannung des Bogens auf den Rhythmus der begleitenden Musik abstimmen. Ähnlich verhält es sich bis in die heutige Zeit hinein in Japan, wo das Kyudo (“Weg des Bogens”) gepflegt wird. Der heutige japanische Bogen, der Yumi, ist nicht nur wegen seiner asymetrischen Form einzigartig, er ist zugleich auch mit durchschnittlich 2,3 Metern der längste Bogen der Welt. Zeremonielles Bogenschießen wurde in Japan bereits im achten Jahrhundert von den Samurai bei besonderen Anlässen vorgeführt. Die Energie und Schlagkraft des Kriegers wurden mit der Würde und Ästhetik der Zeremonie verbunden. Bild Bogenschießen  in Kaesung, Korea

Der damals weiteste Schuß in der westlichen Hemisphäre erfolgte durch den Sultan Selim 1798 in Konstantinopel. Die geschossene Weite lag bei 972 Yards und 2,75 Inch (ca. 900 m). Der 1987er Rekord liegt bei 1222 Meter Recurve und 1854,70 Meter bei einem speziellen mit den Füßen gezogenen Bogen. Englische Bogenschützen trainierten - allerdings für Kriegszwecke - in Finsbury auf Ziele zwischen 64 und 229 Meter. Koreanische Schützen brachten es bereits in der Silla-Zeit (668-935) auf 910 m und korenische Bogenbauer waren beim Chinesischen Kaiser der Tang-Dynastie (618-907) sehr gefragt. Traditionelle Wettkämpfe in Korea werden auf eine Distanz Bild Frauenturniervon 146 m ausgetragen
Der Bogensport wurde in allen Kulturkreisen schon früh nicht nur als reiner Männersport angesehen. Im asiatischen Bereich, speziell in Indien, aber auch an europäischen Höfen, schossen viele Frauen. Im Mittelalter wurden hier nachweisbar auch sportliche Bogenveranstaltungen durchgeführt, meistens von Rittern und Höflingen.

Bogensportwettbewerbe werden in verschiedenen Variationen durchgeführt:

  • FITA Scheibenschiessen im Freien (Herren 30, 50, 70 und 90 m; Damen 30, 50, 60 und70 m).
  • FITA Feldbogen im Gelände (mehrere Runden mit bekannten und/oder unbekannten Distanzen zwischen 5 und 60 m) für die verschiedenen Disziplinen (Damen und Herren gleiche Distanzen).
  • FITA Indoor wird in einer Halle geschossen. (Damen und Herren gleiche Distanz, derzeit 18 m).
  • 3D-Bereich im Gelände / Traditionelle Tierscheiben Runde. Ein bis maximal drei Pfeile werden auf 28 unterschiedliche Ziele geschossen mit folgenden unterschiedlichen Wettbewerbsrunden:
    • Tierbildrunde / 3D-Tierrunde (bis zu 3 Pfeile)
    • 3D-Hunting-Round (1 Pfeil)
    • 3D-Round (2 Pfeile)
    • Special-3D- oder Tierbildrunde (3 Pfeile)
    • Präzisionsrunde (1 Pfeil)
  • Bogenlaufen - ist eine neue Disziplin im Bogensport, die das Laufen mit dem Bogenschießen verbindet.
    Es wird mit Bogen gelaufen und nach jeder Laufstrecke, die bis zu 1 km lang ist, werden 4 Schuss auf eine 20 m entfernte Scheibe geschossen. Bei Fehlschüssen gibt es entweder eine Strafzeit oder es muss eine Strafrunde gelaufen werden. Der Wettkampf beginnt und endet mit einer Laufpassage. Für die verschiedenen Altersklassen gelten natürlich unterschiedliche Laufstrecken und Scheibengrößen.
  • Bogenbiathlon ist dem traditionellen Biathlon im Grunde sehr ähnlich. Statt Knallbüchse einen Bogen, statt Patronen Pfeile und schon kann es losgehen. Bogenbiathlon verbindet also das kraftvolle dynamischen Langlaufen in der freien Technik mit dem ruhigen Konzentrationssport Bogenschießen.
    • Das Bogenschießen:
      Geschossen wird aus einer Distanz von 18 m auf Klappscheiben, die einen Durchmesser von 16 cm aufweisen und bei einem Treffer nach hinten wegklappen. Deshalb sind nur abgerundete Pfeilspitzen zu verwenden, die nicht in der Scheibe stecken bleiben. Das Zuggewicht, also das Gewicht, das der Schütze bei vollem Auszug mit drei Fingern hält, darf maximal 35 lbs ( 15,75 kg) betragen.
      Pro Schießeinlage hat der Athlet 4 Pfeile für 4 Scheiben zur Verfügung, lediglich bei der Staffel gibt es pro Schießeinlage einen Reservepfeil. Diese Vierer-Serien sind im Wechsel in 2 Anschlagsarten abzuleisten: stehend oder kniend. Ausnahme dazu bildet die Wettkampfform des Massenstarts, bei der – analog zum Biathlon – zuerst zweimal stehend, dann zweimal kniend geschossen wird. Beim Kniend-Anschlag muss genau ein Knie den Boden berühren, das andere Knie darf keinen Bodenkontakt haben.
      Für jeden Fehlschuss muss der Athlet eine Strafrunde laufen (Länge 150 m), außer beim selteneren Einzelrennen: hier gibt es für jeden Schießfehler eine Strafminute, die zur Gesamtlaufzeit hinzuaddiert wird.
    • Das Langlaufen in der freien Technik (Skating)
      Parallel zum Biathlon wird der Bogen (und die Pfeile) auf dem Rücken über die ganze Strecke mitgetragen. Die Runde für die Herren beträgt 2,5 km, für die Damen, Junioren und Juniorinnen jeweils 2 km. Je nach Wettkampfform wird eine unterschiedliche Anzahl an Runden gelaufen (Juniorinnen absolvieren jeweils eine Runde und damit eine Schießfolge weniger):
      • Sprint: 3 Runden mit 2 Schießeinlagen (s, k)
      • Verfolgung: 4 Runden mit 3 Schießeinlagen (s, k, s)
      • Einzelrennen: 5 Runden mit 4 Schießeinlagen (s, k, s, k)
      • Massenstart: 5 Runden mit 4 Schießeinlagen (s, k, s, k), dies gilt hier auch für Juniorinnen. Für alle Klassen sind die jeweiligen, oben genannten Rundenlängen um 0,5 km verkürzt.
      • Bei der Staffel bewältigt jeder der 4 Staffelläufer die gleiche Distanz wie beim Sprint.
  • Ski Archery ist eine Kombination von Ski-Langlauf und Bogenschießen
  • Flight Schiessen Wer schiesst die Pfeile am weitesten?

Im Jahre 1957 fand in Hannover die erste Bundesmeisterschaft (jetzt “Deutsche Meisterschaft”) im Bogenschießen statt. 40 Teilnehmer nahmen daran teil.

Das Bogenschießen kann man das ganze Jahr über, in der Halle oder im Freien, mit Freunden oder alleine, ausüben. Es ist ein interessanter Freizeitsport, der keine Altersgrenzen kennt und bei dem Geschicklichkeit und Konzentration weitaus wichtiger sind als übermäßige Kraft und überdies mit einem sehr geringen Verletzungsrisiko - im Vergleich zu anderen Sportarten - behaftet ist. Bei bestimmten Behinderungen und Erkrankungen stellt der Bogensport eine ideale Möglichkeit dar, sich sportlich zu betätigen und wird oftmals als Therapie vorgeschlagen.
Bei einem FITA-Turnier im Freien, einem Wettkampf in dem 144 Pfeile auf verschiedene Distanzen (90, 70, 50, 30 m) geschossen werden (bei einer Dauer von bis zu acht Stunden), werden allein zum Holen der Pfeile rund 4 km zurückgelegt. Beim Jagd- und Feldbogenschießen legt man teilweise noch erheblich längere Wegstrecken in abwechslungsreichem Gelände, zumeist mit erheblichen Höhenunterschiede zurück. Diese körperliche Betätigung ist neben der eigentlichen Schießbelastung sehr nützlich und fördernd für den Gesamtorganismus.

Daneben sind Ausdauer, innere Ruhe und Ausgeglichenheit günstig für die Ausübung - aber auch angenehme Effekte dieser Sportart. Nicht zuletzt wegen der in der Regel abgeschiedenen Lage der Bogenplätze bilden diese geradezu Oasen der Erholung vom Stress und Alltagslärm. Neben der körperlichen Belastung erfordert der Bogensport auch eine Notwendigkeit zu mentalen Übungen.
Nur ein ruhiger, entspannter und konzentrierter Geist ist zu guten Leistungen fähig. Schon der Anfänger lernt schnell, daß nicht Wille und Ehrgeiz zu einem guten Trefferbild führen, sondern Konzentration, Gelassenheit und beständiges Üben mit korrekter Technik. Beim perfekten Schuß aber wird man oft durch eine besondere Magie belohnt:

    Alles stimmt - der Stand, die Spannung, das Gefühl -
    und man spürt es, - nein, man weiß es einfach: 
    noch bevor man den Pfeil abläßt, weiß man, dass er trifft.
    Man hat schon getroffen, bevor man geschossen hat!
    Der Pfeil löst und man sieht ihn fliegen auf dem Weg zum Ziel ... - und er trifft -
    genau ins Zentrum!

Da man diese Eigenschaften auch im täglichen Leben benötigt, nutzt man in Asien unter anderem das Bogenschießen seit Hunderten von Jahren, um Menschen gleichermaßen Gleichmut, Konzentration, Genauigkeit und Durchsetzungsstärke zu vermitteln.

Historie: Olympiade, Welt- und sonstige Meisterschaften sowie Austragungsorte.

Ausführliche Geschichte des Bogenschiessens bei www.nockpunkt.de

Auch sehr nett “Bogensport” bei www.bogensport-sb.de

Eine andere Präsentation aus der Schweiz www.bs-th.ch

Sehr ausführliche kurze Geschichte auf www.centenaryarchers.gil.com.au in englisch.

Auf Wikipedia gibt es mittlerweile eine gute und ausführliche Information über Bögen.

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